Ein Gedanke …

Oktober 22, 2008

Manchmal neide ich denen, die vor mir schon gegangen sind. Die haben keinen Stress mehr. Die müssen nicht mehr zur völlig fehlstrukturierten Uni, nicht mehr irgendwelche Gastrojobs machen, um den Staat auch noch dafür zu bezahlen, dass man in einen viel zu kleinen Raum mit viel zu vielen Anderen auf dem Boden sitzen darf. Die müssen sich nicht der Eins-zu-Eins Konfrontation in ihrer Beziehung stellen. Und die müssen auch nicht dem langsamen Verfall ihrer Eltern zusehen. Frag ich mich: Was machen die da eigentlich? Eier schaukeln, hoffe ich. Wenn es mal Zeit sein sollte für mich und ich dann vor Petrus stehe und der mir dann sagt:”Willkommen im Himmel! Folgende Informationen für die Neuen: Ihr habt einen Abschlag zu zahlen. Miete: 400 kalt. Sonnenenergie: 60 Euronen. Verköstigung: 200 im Monat und eine halbjährliche Bearbeitungsgebühr von 700 Talern. Aber macht Euch keine Sorgen.Hier gibt es Arbeit genug!” Dann dreh ich endgültig durch.

5 Minuten an der Kasse

Juni 17, 2009

Neulich ziehe ich so meine Kreise durch den Supermarkt, werfe Dies und Das in meinen Korb und fühle mich dabei soweit entspannt. Nach geraumer Zeit im konsumgeladenen Raum begebe ic mich langsam zur Kasse und stelle mich, wie gelernt, hinten an. Ich starre, wie von mir erwartet auf die Produkte, die in Kinderaugenhöhe sortiert auch mein Interesse wecken, schmeiß noch ein Duplo in den Korb, denke mir, was kostet die Welt und bemerke plötzlich eine Gestalt neben mir. Ich schaue erst einmal, dann nochmal ungläubig zur Seite: Diese Person hat sich einfach NEBEN mir angestellt. Nein, nicht hinter mir, so wie wir das sonst alle machen, nein, neben mir. Es gibt diese Art Mensch. Ich weiß nicht, wer ihnen das beigebracht hat und warum in Gottes Namen, sie nicht mal durch jahrelanges Beobachten ihr fehlerhaftes Verhalten korrigiert haben. Ich verstehe das nicht. Während ich also über diesen Mensch NEBEN mir nachdenke, spüre ich etwas in mir aufsteigen. Und ich denke: Oh nein, das ist der menschliche Urtrieb! Ich will diese Person bedauern und mich eigentlich nicht auf dieses weit unten angesiedelte und provokante Niveau herablassen. Ich mach das auch nicht! Nein, ich benehme mich zivilisiert! Was war das denn? Das war doch eins von diesen hinterlistigen Ich -wusste-doch-ich-werde-gewinnen-Lächeln bei dieser Person. Ich fass es nicht! Ok, baby, wenn Du es nicht anders haben willst! Ich lass ihn raus, den Trieb. Wenn Du meinst, dass ich mich einfach so geschlagen gebe, nachdem ich genauso wie jeder andere in diesem Wald der künstlichen Güter mein Brot hart erkämpft habe, mein Wild an der Fleischtheke erlegt und meine Beeren erst gepflückt und dann zu Marmelade in Regal 4.6 gestampft habe, dann zeig ich Dir jetzt mal, wer hier das Rudel anführt! Da brauchst du deinen häßlichen Fuß gar nicht versuchen 5 cm vor meinen zu schieben: Da mach ich locker sechs! Es sind noch etwa zwei Meter bis zum Warenband. Wir kommen jetzt in die heiße Phase. Wer gibt auf? Wer  will seine Beute als Erster aufs Band legen? Natürlich ist mir das eigentlich zu blöd. Ich meine, ich bin ja ein erwachsener Mensch und meine Eltern brachten mir Benehmen bei. Ich hab das nicht nötig. Nein……ach, was ist das denn jetzt: Leichtes Wegschieben durch den Ellebogen! Ich glaub, es hackt! Jetzt gibts gleich eine Ansage! Wer stand denn zuerst hier: Diese Person oder ich??? Soll ich jetzt etwa nachgeben? Im Leben nicht! Oh nein, da kommt das Band: Wir schauen uns tief in die Augen. Alles ist möglich. Ich male mir einen harten, aber fairen Faustkampf aus, versuche mich an gesehene Rocky V Hiebe zu erinnern,  spüre meine Glieder zucken und merke, wie mir einfach so : “Sie können ruhig vor, wenn Sie es eilig haben.” über die Lippen gleitet. Das glaub ich jetzt nicht! Was ist denn mit meinen Instinkten los? Ich wollte doch kämpfen! Meine Keule lag bereit. Mein Gegenüber lächelt und legt ihre drei Produkte auf das Band. In zwanzig Sekunden ist die Szenerie vorbei und ich stehe vor dem Supermarkt. Diese Person werde ich nie wiedersehen. Aber eine andere wir kommen. Sie wird sich auf diese komische Weise NEBEN mir anstellen und wir werden wieder dieses Gefühl haben, uns duchsetzen zu müssen. Naja, ich gehe jetzt nach hause. Hoffentlich steht keiner neben mir an der Bustür….

Träum weiter…

Februar 24, 2009

Ich habe verschlafen. Ich muss zugeben, daß eine gewisse Absicht dahinter steckte. Keine böse, aber so ganz wollte ich nicht aus diesem Bett. Ich meine, ich hab nichts gegen das Aufstehen an sich, aber muss es immer so früh sein. Das ist doch Misshandlung sondergleichen. Entschuldigung, es regnet seit Monaten. Nein, stimmt nicht, zwischendurch hat es auch geschneit und  es wehten erfrischende arktische Winde. Und dann steht man doch auch selten auf, weil man was wahnsinnig Spannendes vorhat: In den Urlaub fahren, lange frühstücken gehen,  Diego Maradona treffen. Das sind Sachen, die würde mein müdes Wesen einsehen. Dann ginge auch Aufstehen. Aber um sich vier Stunden in einen miefigen Seminarraum zu setzen, um acht Stunden arbeiten zu gehen oder um sich beim Amt ein Märkchen zu ziehen? Da wehrt sich einfach der natürliche Instinkt, der einem sagt, dass Liegenbleiben doch  viel mehr Sinn machen würde. Und ganz egal, was unsere Leistungsgesellschaft einem ständig vorgibt, wäre es doch mal eine unfassbare Leistung nichts zu machen. Mensch, das wäre etwas Neues! Aber das traut man sich nicht. Nachher verliert man noch den Anschluß. Den Anschluß an was? Vielleicht den Anschluß ans System und dann verdiene ich kein Geld, mache ich keinen guten Abschluss und muss Hartz IV beantragen und kann mich am besten gleich erschießen. Irgend jemand muss dieses System doch erfunden haben. Wenn ich mir die alten, leider gefundenen, Briefe der alten Philosophen des Römischen Reichs durchlese, könnte man meinen, dass diese durchaus noch ausschlafen durften. Dann ist so ein Philosoph baden gegangen, hat sich was vorlesen lassen und wenn er grad nicht zu sehr mit nackt durch den Garten laufen, beschöftigt war, hat er sich mit ein paar Kollegen getroffen und über das Vorgelesene geredet. Jetzt waren das die angesehensten Menschen unter dem Volk und die durfen schlafen und sich entspannen! Warum muss ich dann um halb acht aufstehen um die Briefe derer zu unchristlichen Zeiten zu lesen? Das versteh ich morgens einfach nicht. Dann raff ich mich endlich auf, versuche mich nicht ernsthaft an der Kaffeemaschine zu verletzen und kritzel ein paar Notizen auf einen alten Kassenbon, um nicht direkt alles wieder zu vergessen, schnapp mir unten die Zeitung aus dem Briefkasten und muss an der Ecke sehen, dass die Bahn schon weg ist. Weil ich jetzt auch nicht weiß, was ich mit der Situation anfangen soll-denn eigentlich schlaf ich noch- stehe ich für einen Momemt nur blöd an der Ecke rum. Da muss mir dann einfallen, dass ich den voll mit Stolz geschriebenen Zettel in der Wohnung liegengelassen habe. Zum Glück rempelt mich in diesem Moment ein Passant, der wahrscheinlich auch verschlafen hat, und meine frisch gedruckte Zeitung fällt mir aus der Hand in die genau vor mir jetzt erst erscheinende und  von alten übrig gebliebenen Kamelle geschwängerte Pfütze. Patsch. Ich starre den Mann mit offenen Mund an. Er entschuldigt sich im Vorbeigehen. Ich starre. Mein Blick fällt langsam auf die Zeitung in der Pfütze. Hier stimmt doch was nicht. Ich lebe in einem Land, in dem morgens noch keiner wach ist und trotzdem funktionieren muss. Ich fische meine Zeitung aus dem dreckigen Nass und wünsche mir den Sommer herbei. Nein, ich wünsche mir eine andere Umgebung. Ich spüre, wie sich der Hunger auf Freiheit in mir ausweitet, wie sich meine Lungen mit frischer Luft aufblähen wollen, wie mein Geist langsam aber sicher verwahrlost, aufgrund mangelnden Erlebnissen. Ich will einfach irgendwo leben, wo meine Zeitung nicht in eine Pfütze fällt.

Meine Mutter

Februar 13, 2009

Meine Mutter wird sterben. Ich weiß nicht wann, aber sie wird sterben. Seit fünf Wochen liegt sie nun im Krankenhaus.Seit fünf Wochen. Ein Teil von ihr ist schon tot. Ich kenne ihn noch diesen Teil. Es ist der Teil von ihr, den sie jetzt am dringensten braucht. Kraft.    Ich kann nur zusehen. Ich kann ihr nicht helfen. Und sie kann mir nicht mehr helfen. Der Rest der Familie vegetiert nur noch vor sich hin. Keiner hat mehr Kraft. Keiner von uns. Und keiner bekommt Kraft von irgendwoher. Wir haben alle das gleiche Schicksal, aber wir haben keine Hoffnung mehr. Nach dem ersten 6-wöchigen Klinikaufenthalt im Dezember war da noch was. Wir wußten, sie würde  nicht mehr ganz gesund, aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass sie so schnell sterben könnte. Ich weiß nicht mehr wohin. Wie ein Glas, das auf der Tischkante gefährlich seine Kreise zieht. Manchmal kann man eben nicht verhindern das es fällt.

Früher hieß es: Wünsch Dir was und heute heisst´s: So isses!

Oktober 14, 2008

Erster Unitag. Erster Unitag zum 12. Mal.

Ja, ich bin älter als 24 und studiere noch. Damals, 2001, da war es auch

noch in Ordnung orientierungslos die Schule zu verlassen und ein Studium aufzunehmen. Es ging darum seine 20er auszuleben, sich erstmal zu zerstreuen, um sich später wieder zu sammeln. Wir wollten das Leben spüren und die Zukunft war nicht unser Feind. Sie war da, aber nicht relevant. Wir vertrauten auf die Vergangenheit. Unsere Eltern hatten es geschafft. Alle ein Haus, ein Auto, eine Rente. Sie waren abgesichert, wir waren abgesichert. WIr hatten keine Angst, als wir die Studiererei anfingen. Uns ging es gut. Die Ausbildung war gratis. Damals genauso gut wie heute, jedenfalls in den alten Studiengängen. Von den neuen versteh ich nichts. Und wenn wir ehrlich sind, versteht sie keiner, der nicht gerade 19 ist und von der Schule abgeht. Keiner. Kein Student. Kein Dozent. Kein Professor.

Und allen graut es vor bachelor und master mitsamt aktiven Teilnahmescheinen, passiven Guckscheinen, alles-genau-und-korrekt-belegen-und-vorlegen-scheinen. Ach, und Scheine, die gibts da auch nicht mehr. Kein 20-jähriger bekommt noch einen schönen alten vom Lehrenden unterschriebenen und mit einer Note versehenen Schein in die Hand gedrückt. Alles online. So auch die Verteilung der Seminare: online! Da liegen keine Ordner mehr im jeweiligen Seminar, in die man seinen Namen eintragen, nicht eintippen, nein, eintragen konnte. Meistens hat man sich noch mal eben schnell persönlich mit der lehrenden Person unterhalten bei der Anmeldung. Heute muss man erstmal online schauen, wo der Prof sein Zimmer hat. Es gibt e-mail Verkehr, wenige Gespräche. Die Politik hat die neuen Studiengänge eingeführt aufgrund der Wirtschaft. Die wollten schneller ausgebildetes Fachpersonal. Jetzt schreien die Firmenbosse auf: Zu wenig praktische Erfahrung! Frage: Wann soll ein Student der Generation bachelor diese denn machen? Die Stundenpläne sind so eng gestrickt, dass da kein Raum ist für vielseitige Praktikas und Erfahrungen im Ausland. Natürlich bleibt die persönliche Entwicklung auf der Strecke. Dafür bleibt einfach keine Zeit!

Früher,vor ungefähr sechs Jahren, wurde sogar von einem Großteil der Gesellschaft gebilligt, wenn man sich innerhalb der Studien noch einmal rasch umorientierte. Ein leiser Hauch von ” wenn das Kind dann doch glücklicher ist” wehte um unsere Köpfe. Jetzt geht das nicht mehr. Man könnte wertvolle Zeit verlieren.

Das gewünschte Bild der Gesellschaft ist klar geworden. Das war es schon vorher. Jetzt aber ist es eindeutig. Viel Leistung in wenig Zeit für einen hohen Preis. Keine Kreativität mehr, dafür abgehakte Studienleistungen. Mehr Semesterwochenstunden, mehr benötigte Zeit um die Gebühren reinzukriegen. Weniger Auslandsaufenthalte, doch fähig sein überall auf der Welt arbeiten zu können.

Soweit klar.

Aber was ist mit UNS:

Die, die sozial kompetent, ausreichend bis gut schlau und weit gereist sind. Klar, wir haben ein paar Parties mehr gefeiert und ja, wir waren im Ausland und haben die hiesige Thekenlandschaft eindringlicher studiert als Lateinbücher, aber das wurde uns so erlaubt. Wir hatten ja Welpenschutz. Als wir anfingen zu studieren gab es keine Gebühren, keinen Zeitdruck und uns wurde geraten die Welt gründlich zu erkunden.

Jetzt stehen wir da: verwirrt, abgegrenzt und überfordert. Gefangen in der eigenen Generation. Wir sind für die Alten noch jung und für die Jungen schon alt. Gleichzeitig geprägt von den guten alten Werten und dem Elternhaus und hineingeschubst in die Welt der Gebote und Verbote. Jetzt stehen wir da, zweifeln zu früh schon an uns selbst, müssen trotzdem allem gerecht werden und verstehen es einfach oftmals nicht so ganz.

Geld verdienen, studieren, sozial kompetent sein und das am Besten alles in 3 Jahren. Ob UNS jemals jemand fragen wird, was wir denken? Ich glaube kaum….

Hello world!

Oktober 14, 2008

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